Historische Entwicklung
Erste urkundliche Erwähnung
Die Entstehung des Ortes Gershausen ist weitgehend ungeklärt. Erstmalig wird das Dorf 1267 durch einen Berthold von Gozishusen erwähnt. Die erste urkundliche Benennung erfolgte 1350 in einem Schreiben des Abtes Johann zu Hersfeld.
Woher der Name Gershausen (oder seine Vorgänger Gosßhusen, Goyshusen und Gozishusen) kommt, ist bis heute unklar. Aus der Endung "hausen" lässt sich jedoch schließen, dass die Ansiedlung am Eingang des Ibratales zwischen 400 und 800 n. Chr. entstanden sein muss.
Territorialgeschichte
Gershausen gehörte seit seiner Gründung der Vogtei Niederaula an, später auch Gericht oder Amt Niederaula genannt, gehörte zur Abtei Hersfeld.
Nach dem Westfälischen Frieden von 1648 wurde die Abtei Hersfeld an Hessen-Kassel abgegeben und ein weltliches Fürstentum eingeführt. Hierzu gehörten 12 Ämter und Gerichte, wobei Gershausen neben 20 anderen Orten und 6 Höfen weiterhin zu Niederaula gehörte:
1821 versuchte Kurfürst Wilhelm aus einzelnen Teilen Kurhessens einen Einheitsstaat zu schaffen, wobei das Kurfürstentum Hersfeld endgültig seine Eigenständigkeit verlor. Es gehörte nun zur Provinz Fulda und aus den 12 Ämtern wurde der ehemalige Kreis Hersfeld gebildet.
1867 wurden diese Provinzen aufgehoben und der Kreis Hersfeld, damit natürlich auch Gershausen, gehörten ab da an zum Regierungsbezirk Kassel.
Im Zuge der Hessischen Gebietsreform verlor die ehemalige Gemeinde Gershausen mit Wirkung vom 31.01.1971 ihre Selbständigkeit und gehörte von da an als einer von 12 Ortsteilen der Großgemeinde Kirchheim des im Jahre 1972 neu geschaffenen Großkreises Hersfeld-Rotenburg an.
Wirtschaftliche Lage
Die Bevölkerung von Gershausen führte im 17. und 18. Jahrhundert ein sehr ärmliches Dasein.
Da die Vorbedingungen für eine Industrialisierung fehlten und auch nur wenige einem Handwerk oder Gewerbe nachgingen, bestand der Großteil der Bevölkerung aus Bauern. Bedingt durch schlechte Bodenverhältnisse und ungünstige Klimabedingungen blieb den Menschen meist gerade soviel, wie sie fürs Überleben benötigten. Jahrhunderte mussten sie einen Teil dieses spärlichen Einkommens auch noch an die Abtei, Hospitäler, Adelshäuser und den Landherren abgeben.
Die Verhältnisse, wie swir sie heute in der Landwirtschaft vorfinden, gibt es erst seit Mitte des 19. Jahrhunderts, als in den deutschen Staaten eine umfassende Reformgesetzgebung stattfand, die die mittelalterliche Form der Landwirtschaft abschuf.
Wie überall waren die Landwirte keine freien Eigentümer ihrer Länder und Güter. Nahezu alle Bauern waren Leibeigene des Abtes. Hierdurch waren sie verpflichtet Geld- oder Naturalleistungen an ihren Leibherren abzugeben. Aber auch Frondienste mussten geleistet werden.
Siedlungsentwicklung

Gershausen liegt in einer 300 bis 400 Meter breiten Talmulde am Zusammenfluß des Ibra- und Dörfelbaches. Aufgrund des relativ flachen Geländes nach Norden und Osten boten sich in diesem Raum gute Siedlungsmöglichkeiten.
Das Dorf kann heute als typisches Straßendorf angesehen werden, dessen heutiges Erscheinugsbild jedoch aus einem Haufendorf hervorgegangen ist.
Den Mittelpunkt des ursprünglichen Dorfes bildete ein großer Platz, auf dem noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts das Gemeindebackhaus zu finden war.
Um dieses Gebäude legten die Bewohner anfangs ihre Gehöfte in regelloser Form an, ohne auf eine zukünftige Straßenführung zu achten.
Im Verlauf des 19. Jahrhunderts dehnte sich die Siedlungsfläche nach Osten hin aus. Hier an der Verbindungsstraße nach Kirchheim entstanden mehrere größere Gehöfte, fast nur auf der rechten Seite. Die Bebauung erfolgte locker mit größeren Zwischenräumen. Ein Übergang vom Haufen- zum Straßendorf ist schon Ende des 19. Jahrhunderts zu erkennen.
Nach dem 2. Weltkrieg wurden die Siedlungsspitzen verlängert, vornehmlich Richtung Allendorf enstanden die ersten reinen Wohnhäuser. Ein weiteres Wohngebiet enstand nach 1950 an einem Feldweg Richtung Nordosten. In den Folgejahren wurde dort im Silbergraben ein weiteres Wohngebiet erschlossen und ab 1975 ein Ferien- und Erholungsgebiet mit über 50 Ferienhäusern erstellt.
Entwicklung in der jüngeren Zeit
Bis Mitte des 20. Jahrhunderts wurde das Ortsbild hauptsächlich von Fachwerkhäusern geprägt, von denen die meisten vor 100 bis 150 Jahren, aber auch früher, erbaut wurden.
Um 1960 wurden viele Wohnhäuser im Fachwerksstil abgerissen und durch moderne Gebäude ersetzt.
In Verbindung mit dem Ausbau der Ortsdurchfahrt im Jahre 1974 verschwanden einige alte Gebäude, wie z.B. das alte Backhaus, in der Ortsmitte.
Zum Glück versucht man heute die wenigen Fachwerkhäuser zu erhalten. Einige stehen unter Denkmalschutz.
Quelle:
Dieter Loch, 1974
Agrargeographische Strukturuntersuchung der Gemeinde Gershausen im Kreis Hersfeld-Rotenburg